Eintrag: Billige Fahrräder
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Billige Fahrräder
Warum wird hier eigentlich immer von Rädern aus dem Baumarkt oder vom Discounter abgeraten?
Die Anfragen nach solchen Rädern tauchen unter verschiedenen Rubriken zu Beginn jeder Saison ebenso sicher auf, wie das Amen in der Kirche. Oft kochen dann die Emotionen hoch, was es erschwert, das Thema sachlich zu behandeln.
Grundsätzlich würde ich (fett und kursiv, also eine rein subjektive, persönliche Meinung!) zwischen zwei Typen von Billigrädern unterscheiden:
Typ 1: Das Mega-Fully
Das Mega-Fully sieht einem Mountainbike verdammt ähnlich. Es wird meistens für ca. 170 bis 250 Euro angeboten. Es hat alles was die - zumeist junge und ahnungslose - Kundschaft gerne hätte, nämlich eine Federung vorne und hinten, sowie die in diesen Kreisen völlig unverzichtbaren Scheibenbremsen. Dazu eine "kriegerische" Optik, sowie einigermaßen breite Reifen.
Warum taugt das Mega-Fully nichts?
Zur Beantwortung dieser Frage nur ein paar Preisbeispiele:
- eine Federgabel, die diesen Namen ansatzweise zurecht trägt: ca. 150 Euro
- ein Dämpfer: ca. 100 Euro
- ein Satz Scheibenbremsen, die auch wirklich bremsen: ca. 150 Euro (brauchbare mechanische Scheibenbremsen, wie z. B. die BB5 oder BB7 von Avid gibt es in der Bucht ab ca. 80 Euro)
Wir sind jetzt bereits bei ca. 400 Euro, dem Fahrrad fehlen jedoch ein paar nicht unwesentliche Teile wie Rahmen, Schaltung, Lenker,
Sattel
, etc.
Außerdem wiegt das Mega-Fully ab ca. 18 - 21 kg, ist somit nicht wirklich gut zu handhaben.
Das lässt zwei Schlüsse zu:
1. Discounter oder Baumärkte können zaubern, oder sie verkaufen ihre Räder weit unter Wert, um den Kunden einen Gefallen zu tun
oder
2. (IMO viel wahrscheinlicher) die an den Rädern verbauten Teile sehen zwar aus wie eine Schaltung oder eine Federgabel, sind aber aus billigem schweren Stahl oder Guss- und Pressstahl hergestellt, und erfüllen ihren Zweck nur schlecht oder gar nicht.
Typ 2: das Discounter-Alltagsrad
Das Discounter-Alltagsrad sieht aus wie ein Fahrrad eben aussieht. Ketten- oder Nabenschaltung, einfache Komponenten, voll ausgestattet und der
STVZO
entsprechend. Angeboten wird es für ca. 200 - 300 Euro.
Warum taugt das Discounter-Alltagsrad nichts?
Einige werden jetzt versucht sein, mich zu steinigen, aber es gibt IMO Fälle, in denen diese Räder was taugen.
Es sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
- Das Rad ist von einfacher Machart, es hat einen stabilen Rahmen, keine Federgabel und keine gefederte Sattelstütze
- Das Rad hat eine einfache Nabenschaltung mit 3 Gängen oder einfachste Kettenschaltung, bspw. Shimano Tourney
- Das Rad hat Felgenbremsen
- Der Käufer nutzt das Rad in einem Umfang, wie es des bundesdeutsche Durchschnittsradler tut, er fährt also durchschnittlich 300 km im Jahr.
Bei allen Abweichungen von diesen Punkten kann das Konzept mMn schon aus Kostengründen nicht aufgehen.
Aber auch hier muss man als Käufer Einschränkungen hinnehmen, die das Schnäppchen im Nachhinein verteuern werden.
- die Beleuchtung (häufig ein Seitenläuferdynamo mit einfachem Halogenscheinwerfer und Glühlampenrücklicht) erfüllt zwar die Vorgaben der
STVZO
; um bei Dunkelheit wirklich was zu sehen, reicht es aber nicht
- Bowdenzüge und Hüllen sind von einfachster Machart, spleißen und rosten gerne
- Sättel, Griffe und alle anderen Anbauteile sind von einfachster Machart, d. h., sie funktionieren, mehr aber auch nicht
- die Materialauswahl und Oberflächenverarbeitung (auch in Bezug auf Korrosionsschutz) genügt bzgl. Haltbarkeit nur sehr geringen Ansprüchen
- Bremsbeläge und Felgenflanken passen nur selten gut zusammen, billige Beläge können Späne aus den Flanken ziehen, sämtliche Verschleißteile sowie Reifen und Schläuche stammen aus der untersten Schublade
- Laufräder sind häufig mangelhaft eingespeicht, die Speichenspannung sehr ungleichmäßig
Grundsätzlich würde ich bei einem Budget von 200 - 400 Euro immer zu einem guten
Gebrauchtrad
aus dem örtlichen Fachhandel raten, das auch in Bezug auf Größe und Geometrie zum Käufer passt. Auch das tollste Schnäppchen taugt nichts, wenn es größenmäßig einfach nicht zum Fahrer passt und deswegen nach fünf Fahrten im Keller vor sich hinoxidiert.
Vielen Dank an Kylogos für das Verfassen der Urversion.