Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
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Weil die Riemenantriebe noch immer eher Exoten sind und man nicht allzu viele Erfahrungsberichte findet, will ich an dieser Stelle mal meine ersten Erfahrungen
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10.05.2012, 23:02
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#1
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
Abend zusammen!
Weil die Riemenantriebe noch immer eher Exoten sind und man nicht allzu viele Erfahrungsberichte findet, will ich an dieser Stelle mal meine ersten Erfahrungen teilen. Es geht konkret um ein Diamant Saphir 24/7 Deluxe mit Gates Riemenantrieb, das ich nun seit einigen Monaten fahre.
Das Rad ist sehr solide und taugt für Stadtfahrten sowie leichte bis mittlere Trekkingtouren. Aber darum soll es nicht gehen, sondern um den Riemenantrieb, über den man viele kontroverse Meinungen finden kann. Über die Haltbarkeit kann ich nach den wenigen Monaten nicht wirklich etwas sagen, allzumal ich das Rad nicht im harten Wintereinsatz hatte.
Ich habe aber erste Erfahrungen mit der Wartung hinter mir, die ernüchternd sind und den Kritikern recht geben. Ich wollte das Rad nach zwei Monaten zur Erstinspektion in die Werkstatt bringen und rief die Werkstatt meines Vertrauens an. Dort winkte man ab, weil man keine Erfahrung mit dem Riemen habe. Obwohl es nicht das war, was ich hören wollte, fand ich es immerhin professionell. Suchte mir dann einen Laden in der Nähe, der u.a. Räder mit Riemenantrieb verkauft, auch von Diamant. Bei der Übergabe das Rads bat ich um Prüfung der Spannung und des Laufs und wurde skeptisch, als der gute Mann meinte, es gäbe keine Messlehre für den Riemen und anfing daran zu zupfen und ihn zu verdrehen (es gibt bereits seit längerem eine Messlehre, wie ein Besuch auf der Seite von Gates zeigt). Man habe in den letzten Jahren aber um die 30 Riemenräder verkauft und kenne sich aus. Geglaubt und das Rad nach zwei Tagen abgeholt.
In der Folgezeit fiel mir ein Knacken auf und ich brachte das Rad also noch einmal hin. Ah ja, der Riemen sei zu fest gespannt, hieß es. Da müsse man erst einmal etwas hin- und herprobieren, das sei normal. Also wieder das Rad dagelassen. Zwei Tage später war das Knacken weg - bis ich am Folgetag auch mal in den höheren Gängen fuhr. Das Knacken war wieder da und zusätzlich verschob sich der Riemen. Also wieder zur Werkstatt und hoffen, dass es dieses Mal klappt...
Lehre aus der Anekdote: "Wartungsfrei" sieht für mich anders aus. Als ich das Rad geliefert bekommen habe, war der Riemen leise. Je nach Gang "fühlte" er sich zwar etwas komisch an, war aber still und zuverlässig. Will man nun den Fachmann dran lassen, stellt sich heraus, dass das Wissen noch wenig verbreitet und eher gering ausgebildet ist. Damit kann ich - anekdotisch - bestätigen, was vor zwei Jahren in der Aktiv Radfahren zu lesen war: noch nicht ausgereift, zu wenig (Langzeit-)Wissen: http://www.bernds.de/tl_files/pdf/201003_aR_Gates.pdf (S. 19).
Mein persönliches Fazit: Tolle Technologie, aber vorerst nur für early adopters. Ich jedenfalls hätte im Rückblick lieber Kette nehmen sollen, nicht zuletzt, weil man damit auch als Laie zurecht kommt.
So viel dazu,
Thomas
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11.05.2012, 00:33
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#2
Der verlinkte Artikel diskutiert die verschiedenen Aspekte außergewöhnlich umfassend. Die von Dir geschilderte Hilflosigkeit der Fahrradhändler bei der Wartung ist beeindruckend.
Schräges Detail aus dem Artikel (auch im Gegensatz zur Sachlichkeit des Artikels selbst):

Zitat von
Karlheinz Nicolai, Europavertrieb Gates Carbon Drive
Auch die teils völlig aus der Luft gegriffenen Mutmaßungen bezüglich der haltbarkeit sind falsch. ich selbst kenne derzeit keine verschlissenen Riemenantriebe.
Und hier noch Velotraums Stellungnahme, sowie einige technische Hintergründe aus ihrer Sicht. An anderem Orte klagen sie darüber, Gates liefere nicht genügend Spezifikationen bzw. Anforderungen, als dass Fahrradhersteller auf der sicheren Seite sein könnten.
– So richtig fundierte Hersteller-Infos oder Anwender-Langzeiterfahrungen sind zum Gates-Riemenantrieb ja kaum zu finden, daher vielen Dank für Deine Hinweise.
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11.05.2012, 06:05
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#3
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11.05.2012, 09:07
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#4
Ich fahre den Riemen jetzt seit über einem Jahr und kann sagen, dass er bei richtiger Einstellung völlig wartungsfrei ist. Das widerspricht auch nicht den genannten Problemen, denn diese sind alle auf eine falsche Einstellung des Riemens zurückzuführen.
Das Problem ist einfach, dass diese Hilfsarbeiter von Fahrradmechaniker oft schon mit dem einfachen Festziehen von Schrauben überfordert sind. Ich habe mein Rad auch schon aus der Werkstatt (von dem Händler von dem ich es gekauft hatte) erhalten, mit völlig schräg eingestelltem Hinterrad und damit völlig verzogener Riemenlinie. Direkt nach dem Kauf hatte ich auch Geräusche, die aber eher einem Sirren nahekamen. Es stellte sich dann (durch mich selbst) raus, dass die vordere Riemenscheibe nicht richtig an der Kurbel festgeschraubt war und deshalb der Riemen an der Außenseite der Riemenscheibe gerieben hat.
Es ist entsetzlich dass diese selbsternannten Mechaniker solche Fehler machen. Das dem Riemenprinzip anzulasten finde ich aber nicht richtig, denn solche Fehler können auch an anderer Stelle (verheerende) Auswirkungen haben.
Die von john-doe gemachte Schilderung klingt aber überhaupt nicht gut. Scheint als ob durch starke Überspannung des Riemens das Lager (Nabenschaltung?) in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das wäre überhaupt nicht gut und ich würde an seiner Stelle das Fahrrad reklamieren.
Ich würde jedem Empfehlen die Riemenlinie und die Spannung selbst zu kontrollieren. Das ist eigentlich nicht schwer. Man muss das Hinterrad so einstellen dass der Riemen beim Rückwärtstreten gerade nicht mehr von der Scheibe wandert. Die Spannung ist als 1cm "mittig durchhängen" bei 3-5 kg angegeben. Messgeräte gibt es, aber nur für die Händler. Man kann durch ziehen am Riemen und Vergleich mit 4 kg das auch gut selbst einschätzen.
Wenn man das einmal richtig eingestellt hat, ist die Sache wartungsfrei, denn der Riemen längt sich so gut wie gar nicht. Ich hatte bis heute keinen einzigen Überspringer und meiner Schaltung (Alfine 11) scheint es auch gut zu gehen. Durch den Winter bin ich auch gefahren. Nichts ist im Riemen hängengeblieben.
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11.05.2012, 09:20
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#5
Von der Idee her ist der Riemenantrieb gut. Nur die Praxis ist wohl zweifelhaft. Ich danke dem Themeneröffner für den Beitrag.
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11.05.2012, 09:40
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#6
Wie ist es eigentlich wenn man unterwegs einen Platten am Hinterrad hat und dieses ausbauen muss? Muss man früher oder später doch noch mal zum Händler, um zu überprüfen ob man alles richtig wieder eingebaut hat? Wie merkt man eigentlich, dass der riemen verschlissen ist und man einen neuen braucht?
Würde mich wirklich ernsthaft interessieren, da ich das Riemenkonzept so ganz interessant finde.
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11.05.2012, 10:15
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#7
Gesamtkonzept Riemen
Es freut mich, dass meine Erfahrungen auf Interesse stoßen. So hat dieser ganze Ärger immerhin einen gewissen Mehrwert.
Ich möchte hier nichts gegen den gut eingestellten Riemen sagen. Wenn er läuft, dann läuft er (wie eine gut geschmierte Kette auch). ABER: Wenn man den Riemen kauft, um sorglos durch den Alltag fahren zu können, dann gibt es gewisse Nachteile, über die sich jeder Käufer klar sein sollte (und die voN Gates & Co. natürlich gar nicht erwähnt oder klein geredet werden).
Gerade weil der Riemen plötzlich reißen kann, wenn er beschädigt ist und weil er falsche Belastungen nicht verzeiht (ein Blick auf die Hinweise von Gates zur richtigen Handhabung genügt), ist man als Alltagsradler auf fachkundigen Rat angewiesen. Den - und darum geht es in meinem Post - kriegt man aber nicht ohne Weiteres. Dandys Kommentar bestätigt meinen Post in dieser Sache.
Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute einen schlecht eingestellten Riemen fahren ohne davon zu wissen. Das müssen sie auch nicht, weil der Riemen ja gerade damit beworben wird, dass man sich keine Gedanken mehr machen muss. Das stimmt - momentan - leider nicht. Und daher kann ich garovic nur antworten: Man nutzt den Riemen besser nur in der Stadt. Zu diesem Ergebnis kommt auch ein Thread in Austria, in dem ein Befürworter und ein Skeptiker Für und Wider austauschen: http://bikeboard.at/Board/showthread...rieb&p=2259579
Bleibt die Frage, was nun zu tun ist: Reklamieren wird schlecht, weil ich das Rad online gekauft habe (was, wie man sieht, immer gewisse Risiken hat) und die Erstinspektion bei einem Händler in der Nähe habe machen lassen. Ich werde es ihm wohl oder übel noch einmal vorbeibringen, damit er es (zugrunde?) richtet. Danach heißt es wohl, die Sache selbst in die Hand zu nehmen (learning by doing); schlimmer als bei den "Fachleuten" wird's auch nicht.
Eine Messlehre "für daheim" gibt es: http://www.radfahren.de/archiv/alle-...chlumpf-1.html
Meine Freundin will sich übrigens ein Rad kaufen und wäre die ideale Kundin für ein Riemenrad ("Wie, die Kette muss man ölen?"). Nach meinen Erfahrungen, die zwar anekdotisch sind, aber auf strukturelle Probleme der neuen Technologie hinweisen, rate ich ihr zur guten alten Kette, evt. mit Kettenschutz. Hollandräder sind bekanntlich schon seit Jahrzehnten wartungsarm - ohne Riemen.
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11.05.2012, 10:54
Riemenantrieb - Wartung - Ernüchterung
#8
Na ja, so wie ich das verstanden habe ist die Entwicklung am Riemen und dem drumherum noch voll im Gange. Letztes Jahr wurde z.B. diese center-track Geschichte eingeführt. Demzufolge gehörst du ja noch zu den sogenannten early-adopters, in gewisser Weise könnte man diese Gruppe auch als Beta-Tester bezeichnen...
Perspektivisch möchte ich mir noch ein Trekking-Rad kaufen, hatte mir auch schon Räder mit Riemen im Netz angeschaut. Die Fragen, die ich dir oben gestellt habe, schwirrten dabei die ganze Zeit im Kopf herum. Deshalb vielen Dank für deine antwort.
Ich fasse für mich zusammen, dass man ein Stück weit seine Unabhängigkeit aufgibt und sich einen Händler mit erfahrener Werkstatt suchen muss. Auch beim Untergrund muss man sich besser auf Asphalt beschränken.
Abschließend nochmal eine Frage und dann gebe ich auch schon Ruhe
.
Ist das Fahrgefühl im Vergleich zur Kette so gut, dass es die Nachteile etwas mildert?
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