+ Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 12
Ergebnis 9 bis 14 von 14

Celerina 2011

  1. Celerina 2011 #9
    Wolfgang Beckmann
    Ja, Ihr Lieben, es gibt Menschen, die ihrer Zeit hin und wieder voraus sind.

  2. Celerina 2011 #10
    Wolfgang Beckmann
    Donnerstag, 25. August 2011
    Heute haben wir die Diavolezza Bergbahn im Auge. Wir fahren mit dem Auto zur Talstation in etwa 2000m Höhe. Die Bahn führt in eine Höhe von 2950m und bietet eine Atem beraubende Sicht auf die Eiswelt von Piz Palü und Piz Bernina. Es ist unangenehm windig hier. Wir steigen auf ein kleines Joch ab und von dort aus etwas ausgesetzt über Blockwerk auf den Piz Trovat, der etwas höher ist als 3000 m. Die Route ist oben weglos aber mit einigen Steinmännern gut gekennzeichnet. Auf dem Gipfel ist es erstaunlich windgeschützt. Wir setzen uns und beobachten eine Reihe von Seilschaften, die die Gletscherflanken des Palü unter Umgehung der Eisbrüche und Spaltenbereiche absteigen.

    Einige Bilder:
    Morteratschtal und Biancograt am Piz Bernina
    http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/urlaub2011006m82951de07.jpg

    Piz Palü und oberer Persgletscher von der Diavolezza
    http://www.fotos-hochladen.net/uploads/urlaub2011014k6cgqlm9ho.jpg

    Diavolezza vom Piz Trovat
    http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/urlaub2011022co87b0kfs3.jpg

    Aufstiegsspuren am Piz Palü
    http://www.fotos-hochladen.net/uploads/urlaub2011030elokin217d.jpg

    Hundekacke verboten in Celerina
    http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/urlaub2011037x0mp1q43h2.jpg

    Am Nachmittag steige ich doch noch auf das Rad. Ich fahre gemütlich Richtung Silvaplana und wieder zurück. Bei St. Moritz nehme ich eine kleine Straße, die einen Hang über St. Moritz hinaufführt. Es ist sehr steil hier, mehrfach werden gut 13% erreicht, und ich muss hart arbeiten. Rechts und links sind hier tolle Villen, die sich hier die wirklich Reichen erbaut haben. Die Straße geht bis auf etwa 2050 m und bietet einen tollen Tiefblick auf den St. Moritzer See. Insgesamt sind es 20 km und 450 Höhenmeter.

    Kleine Radfahrt
    http://trainingstagebuch.org/file/ma...iew=fullscreen
    Geändert von Wolfgang Beckmann (14.01.2012 um 00:21 Uhr)

  3. Celerina 2011 #11
    Wolfgang Beckmann
    Freitag, 26. August 2011 – Abstieg von der Diavolezza
    Heute sieht das Wetter nicht mehr ganz so toll aus wie an den Vortagen. Da uns die Bergbahnen nichts kosten bzw. im Hotelpreis enthalten sind, fahren wir trotzdem nochmal zur Diavolezza. Wir wollen von der Bergstation aus auf den Munt Pers (3.207 m) steigen, der einen tollen Rundblick bieten soll. Oben angekommen wird uns aber schnell klar, dass wir uns dieses Vorhaben abschminken müssen. Auf dem Grat ist es schneidend kalt, und es weht hier ein Sturm, der so heftig ist, dass wir wirklich Schwierigkeiten haben, uns auf den Beinen zu halten. Wir entscheiden uns daher dafür, im Windschatten zur Talstation abzusteigen.

    Das Vorhaben ist etwas kniffliger als wir es uns vorgestellt hatten. Zunächst müssen wir vor dem Beginn des eigentlichen Abstiegs ein ganzes Stück aufsteigen. Dann erwartet uns ein kleines Schneefeld, über das wir etwa 100 m absteigen müssen, und für das wir mit unseren Trekkingschuhen nicht wirklich perfekt ausgestattet sind. Zum Glück gibt es Steigspuren, in die wir vorsichtig unsere Füße setzen können. Im weiteren Verlauf wechseln Passagen mit Blockwerk und schottrige und ziemlich rutschige Passagen sich ab. Wir müssen sehr vorsichtig absteigen, und da es immer wieder Gegensteigungen gibt, verlieren wir nur ziemlich langsam an Höhe. Besonders unangenehm ist dies, weil am Himmel drohende Wolken erscheinen und wir befürchten, dass es bald zu regnen beginnen wird. Erst als wir in etwa 2.500m angekommen sind, wird der Abstieg gleichmäßig steil und ist sicher zu gehen, so dass wir nun gut vorankommen. Schließlich kommen wir am Parkplatz an und sind froh, ohne Regen angekommen zu sein.

    Allerdings tun uns ganz fürchterlich die Oberschenkel weh. Wir werden wohl einen mörderischen Muskelkater bekommen. Wir waren für den recht anspruchsvollen Abstieg über gut 1000 Höhenmeter nicht wirklich vorbereitet. Auch die frühere Trittsicherheit ist uns über die Jahre, in denen wir fast nur noch Rad gefahren sind, etwas verloren gegangen.

    Als wir in Celerina ankommen, hat ein heftiger Regen begonnen, der die ganze Nacht durchhält und uns auch noch mit einigen Gewitter- Einlagen immer wieder wach macht. Erst am Samstag gegen Mittag reißt die Bewölkung wieder auf. Die Temperatur ist jetzt auf 11 Grad gefallen.

    Morgen, am Sonntag, werden wir nach Algund in unser Stammquartier umziehen, in dem wir jedes Jahr mehrere Wochen verbringen. Da ich vorhabe, die etwa 135 km mit dem Rad zu fahren, sind jetzt einige Gedanken zur Bekleidung fällig. Die Wettervorhersage ist zwar gut, aber die Temperaturen sind um fast 10 Grad niedriger als an den Vortagen. Außerdem muss ich ja über den Ofenpass, der immerhin 2150m hoch und für seine niedrigen Temperaturen bekannt ist. Ich werde wohl mit Rucksack fahren müssen, um ausreichend Variationsmöglichkeiten zu haben.

  4. Celerina 2011 #12
    Wolfgang Beckmann
    Sonntag, 28.August 2011 Celerina- Algund (135 km; 1110 Höhenmeter)

    Ich schaue aus dem Fenster: Nebel. Das Thermometer zeigt kuschelige 5 Grad. Wunderbar. Wir gehen zum Frühstück, packen zu Ende und verstauen unser Gepäck im Auto. Gegen 10:15 Uhr fahre ich los: lange Hose, Neopren- Überschuhe, Langarmtrikot über dem normalen, Windweste. Die Temperatur ist immer noch einstellig. Die erste Etappe geht bis nach Zernez, etwa 31 km, und es geht von 1730 m auf 1470 m hinunter. Ich habe Gegenwind! Kurz hinter Samedan sehe ich vor mir eine Gruppe Rennradfahrer. Die will ich mir schnappen, um vom Windschatten zu profitieren. Aber ich komme nicht recht näher. Schließlich fahre ich Anschlag und schaffe tatsächlich die Gruppe. Nach ihren Trikots sind es Leute vom Genfer See. Zunächst versuche ich am Ende der Gruppe wieder zu Atem zu kommen. Die Kommunikation ist lausig: mein Schulfranzösisch hat stark gelitten. Die Jungs fahren etwas schneller als 30, die ich hinten in der Gruppe gemütlich mitrollen kann. Kaum habe ich mich schön ausgeruht und mein Pulsniveau wieder auf Normalmaß reduziert, biegen diese Penner links ab; sie wollen offensichtlich in einem kleinen Ort eine Rast machen.

    Die Reststrecke bis nach Zernez muss ich also allein fahren. Es geht da nicht etwa gleichmäßig bergab sondern es gibt immer mal wieder eine kleine Welle, die bei dem kräftigen Gegenwind viel Spaß und hohen Puls macht. Erst kurz vor Zernez folgt dann eine richtig knackige Abfahrt, und zwar im Schatten, sodass mir fast das Gesicht abfriert. Zum Glück hat sich der Frühnebel verzogen; es scheint ein wunderbarer Tag zu werden.

    In Zernez (1470 m) biege ich rechts ab und verlasse die eklige Inntalstraße. Unmittelbar hinter dem Ort beginnt der Anstieg zum Ofenpass. Zunächst geht es auf den kleinen Pass Ova Spin (1890 m). Der Anstieg ist relativ gleichmäßig mit Spitzen bis 10 % und einer kleinen Gegensteigung und fährt sich sehr angenehm. Anschließend eine kurze und flache Abfahrt zum Punt la Drossa (1710 m), dem Abzweig nach Livigno. Nun beginnt der 10 km lange Anstieg zum Ofenpass (2150 m). Die Steigung ist ungleichmäßig. Kurze Rampen mit 9 bis 10% wechseln sich ab mit langen flachen Passagen. Die Fahrt geht durch die wilde, vom Menschen unberührt gelassene Hochgebirgslandschaft des Schweizer Nationalpark. Beim Anblick dieser wilden Landschaft wird mir deutlich, wie sehr auch die Alpenregion bis über die Baumgrenze vom Menschen gestaltet wird. Der letzte Kilometer mit durchgängig gut 10 % fällt mir schwer. Erste Ermüdungserscheinungen schon nach 50 km? Das kann ja heiter werden. Oben auf dem Pass empfängt mich bei wolkenlosem Wetter bei 8 Grad ein herrlicher Rundblick bis zum Ortler und Edith mit einigen dampfenden Würstchen, die sie von den letzten Schweizer Franken gekauft hat.

    Sahara am Ofenpass
    http://img4.fotos-hochladen.net/uplo...so6z1mt08n.jpg
    Blick zurück vom Ofenpass
    http://img4.fotos-hochladen.net/uplo...xdst0be5qh.jpg

    Ofenpass mit Ortler
    http://img4.fotos-hochladen.net/uplo...ti6g2nhwsd.jpg


    Als nächste Etappe habe ich die Abfahrt nach Glurns (920 m) durch das Münstertal (Val Müstair) vor mir. 28 km Rasen pur… habe ich gedacht. Tatsächlich macht sich schon bei den ersten etwas flacheren Passagen der hier noch stärkere Gegenwind bemerkbar. Bei einem Gefälle von 3%, bei dem ich im Normalfall über 40 fahre ohne zu treten, muss ich hier hart arbeiten, um gut 30 zu fahren. Die Straße fällt terassenförmig ab. Ich fahre durch Santa Maria, wo rechts die Straße zum Umbrailpass abzweigt, den wir vor ein paar Jahren gefahren sind.

    Kurz hinter Müstair überschreite ich die Grenze nach Italien. Ganz unmerklich hat sich auf den über 1200 Höhenmetern Abfahrt bis Glurns die Temperatur verändert. Es sind jetzt tatsächlich 19 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Edith hat hier ein letztes Mal vor Algund auf mich gewartet. Ich gebe ihr den Rucksack mit den warmen Klamotten, fülle meine Trinkflaschen auf und fahre die restlichen 53 km der Tour kurzärmlig, wie es sich für den Vinschgau gehört.

    Diese Strecke ist ein Klassiker für Radwanderer. Die fast durchgehend asphaltierte Radroute ist wegen ihrer landschaftlichen Reize aber auch, weil man sie sich mit Hilfe der Vinschgauer Eisenbahn fast beliebig abkürzen kann, sehr beliebt. Insgesamt sind es von Mals, der Endstation der Eisenbahn bis nach Meran knapp 65 Kilometer. Nachteil für mich ist die Tatsache, dass vor allem an den Wochenenden, Legionen von Radwandergruppen den Radweg manchmal förmlich blockieren. Ich habe mir deshalb eigens für den Urlaub eine Klingel an das Rad montiert und klingle mir jetzt Blasen an den Daumen, um einigermaßen voran zu kommen.

    Gegenwind ist immer noch. Aber das interessiert mich jetzt nicht mehr besonders. Ich fühle mich fast schon wie zu Hause und genieße bei herrlichem Sonnenschein und weiter zunehmenden Temperaturen die Fahrt durch die liebliche Landschaft des Vinschgauer Tals, teilweise auf dem Etschdamm an der mal wild rauschenden mal ruhig fließenden Etsch entlang, dann auf einsamen Nebenstraßen durch Obstplantagen, Mischwälder. Das Tal ist weit aber von hohen Bergen eingerahmt und von Burgen und Schlössern bewacht.

    Die bekannten Orte ziehen vorbei: Spondinig, Laas, Gövlan, Latsch, Kastelbel, Naturns. In Töll geht es ein letztes mal kräftig bergab. Vor Algund am Sessellift biege ich links ab und dann die sehr giftige (bis 15%) aber zum Glück nur 250m lange Steigung zum Nutzhof hinauf. Nach insgesamt knapp 5 Stunden Fahrzeit komme ich dort an, wo wir die kommenden zwei Wochen verbringen wollen.

    Die Temperatur beträgt inzwischen standesgemäß gut 30 Grad. Im Garten an der Sitzecke unter dem Feigenbaum steht schon ein Weißbier. So muss Urlaub sein.

    Ankunft am Nutzhof
    http://img4.fotos-hochladen.net/uplo...yweqznk71p.jpg

    Weißbier unter dem Feigenbaum
    http://www.fotos-hochladen.net/uploa...yxgehmuzlq.jpg

  5. Celerina 2011 #13
    Ritze
    Weißbier unter dem Feigenbaum
    http://www.fotos-hochladen.net/uploa...yxgehmuzlq.jpg

    Wie ich sehe, sind wir uns bei den wesentlichen Dingen einig

  6. Celerina 2011 #14
    Wolfgang Beckmann
    Ich hatte vergessen, die Strecke der Tour von Celerina nach Algund mit anzugeben. Leider ist zur Zeit in "Trainingstagebuch.org" die Standardkarte Google physical nicht verfügbar. Ihr müsst deshalb eine der anderen Karten auswählen, um die Tour nachzuvollziehen, z. B. Bing oder Open Cycle Map

    http://trainingstagebuch.org/file/ma...iew=fullscreen

    Wolfgang

Ähnliche Themen zu Celerina 2011

  1. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: Heute, 03:55
  2. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 09.05.2012, 04:01
  3. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 05.05.2012, 04:10
  4. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 04.05.2012, 04:06
  5. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 28.04.2012, 04:01

Weitere Themen von Wolfgang Beckmann

  1. Power2max
    Von Wolfgang Beckmann im Forum Rennrad
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 24.10.2011, 17:56
  2. Projekt 2011
    Von Wolfgang Beckmann im Forum Radprojekte
    Antworten: 83
    Letzter Beitrag: 06.05.2011, 20:44
  3. Sommerurlaub 2010 Antholzer Tal und Algund
    Von Wolfgang Beckmann im Forum Tourgruppen & Radreisen
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 03.09.2010, 00:06
  4. Freischalten von Landkarten
    Von Wolfgang Beckmann im Forum GPS
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 06.08.2010, 19:29
  5. Mallorca Mai 2010
    Von Wolfgang Beckmann im Forum Tourgruppen & Radreisen
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 31.05.2010, 16:30

Andere Themen im Forum Tourgruppen & Radreisen

  1. Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 29.01.2012, 20:40
  2. Transalp! Erstes Mal! Fragen!
    von Der Unbeugsame
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 08.01.2012, 20:09
  3. Antworten: 37
    Letzter Beitrag: 13.12.2011, 02:19
  4. Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 29.09.2011, 22:32
  5. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 16.08.2011, 17:04
Sie betrachten gerade Celerina 2011 - Seite 2.