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Weser-Herbst-Tour

  1. Weser-Herbst-Tour #1
    jfk007

    Weser-Herbst-Tour

    So, nun soll es also soweit sein:

    Nachdem ich im letzten Jahr meine erste Mehrtagestour (nach ca. 20 Jahren der Abstinenz) auf Rügen und Hiddensee gefahren bin, soll es in 8 Tagen erneut auf das Rad gehen.

    Und zwar habe ich mir den Weserradweg ausgesucht. Warum, weiß ich eigentlich gar nicht mehr so genau - es ist einfach nur so, dass ich die zugehörige Radkarte nun schon ca. 2 jahre hier zu liegen habe - und sie nun auch mal einweihen will

    Urlaub ist genehmigt und eingeplant, in den letzten Wochen habe ich ein paar 40 - 50 km Trainingsfahrten hinter mich gebracht, vorgestern kam noch ein Päckchen mit ein paar Ausrüstungsergänzungen an (u.a. ein paar Lenkerhörnchen, da ich das Umgreifen auf längeren Strecken schon als ganz angenehm empfinde).

    Losgehen soll es am 12.09. erst einmal mit dem Zug bis Hann Münden.
    Ich habe viel überlegt, welche Richtung ich die Weser fahren will, habe über die Vor- und Nachteile der Nord-Süd- bzw. Süd-Nord-Route gelesen.
    Auch wenn es vielleicht "vernünftiger" wäre, an der Nordsee zu starten, ich habe irgendwie den Spleen, die Tour "müsse" in Flussrichtung gehen...

    Tja, die erste Strecke will ich noch bis Bad Karlshafen kommen - und dort abends dann die phantastische Weser-Therme genießen (die kenne ich von einem Kurzurlaub vor 1,5 Jahren )

    Und dann so weiter. Ich plane erst mal so 60 - 80-km-Tagesetappen. Wenn es mehr werden - dann gerne! Allerdings setze ich mich nicht unter Druck - manchmal habe ich Lust zu fahren, manchmal Lust zum Bummeln.

    Ich bin mal gespannt, wie weit ich kommen werde (habe eine Woche "Auslauf"). Wenn "gut" ist, werde ich mir einen Bahnhof suchen und wieder gen Heimat fahren...

    Übernachtungen sind in Jugendherbergen / Pensionen geplant - ich habe diesmal keine Lust, mich mit Zelt, Schlafsack & Co. abzustrampeln.

    Wenn jemand noch einen Geheimtipp hat, was ich unbedingt ansehen sollte, wo ich unbedingt mal an der Strecke gewesen sein muß - immer her damit!

    Falls jemand mal ein Stück mitradeln will - auch gern!

    Werde mich mal in den nächsten Tagen noch mit der Packliste und einigen möglichen Unterkunftsadressen beschäftigen - und dann kann das Abenteuer beginnen!

    Ich freue mich drauf!

  2. Weser-Herbst-Tour #2
    cuda01
    viel Spaß dabei. Klingt ähnlich wie meine angedachte Tour und der Zeitpunkt ist ja auch ähnlich.
    60-80km bummeln oder an manchen Tagen mehr habe ich auch vor, die Jugendherbergsübernachten stehen auch auf meinem Plan.
    Die Weserradweg-Tour wird sich jedoch eher eniger mit der Münsterland 100 Schlösser Tour kreuzen aber ich bin gespannt auf deinen Bericht.

  3. Weser-Herbst-Tour #3
    jfk007
    So, die Unterkunftsliste ist ausgedruckt! (Ich fand die Suchfunktion bei BettundBike ganz praktisch - kannste dir gut nach Kriterien ordnen lassen und dann abspeichern oder drucken.)

    Bei den Orientierungshelferlein habe ichs eher klassisch - also Karte, Liste auf Papier, Radgeber, ... - auch wenns schwerer wird als solch Elektronik-Geraffel.

  4. Weser-Herbst-Tour #4
    jfk007

    Ach ja, ...

    ... da war ja noch was!

    Tja, meine Radtour war sehr schön - ein voller Erfolg sozusagen.
    Bin allerdings "vor lauter Alltag" nicht dazu gekommen, hier ein Feedback einzustellen.
    Das will ich jetzt mal noch tun, und eine kleine Tourbeschreibung hier einstellen. Bitte um etwas Geduld, falls die nächsten Teile dann wieder etwas dauern.

    Montag, 12.09.:
    Los geht es in aller Frühe, beim letzten Mondschein. Da ich mit Fahrrad und Gepäck nicht 7-8 mal bei den Zügen umsteigen will, habe ich mir eine Verbindung mit zweimaligem Umsteigen rausgesucht, die Bahn fährt aber auch schon 6.30 Uhr ab, vorher noch eine halbe Stunde bis zum Bahnhof...
    Bis Wittenberg ist auch alles schick, aber dann: der Anschlusszug nach Halle soll 25 min Verspätung haben - und ich hätte in Halle 20 min Umsteigezeit ich sehe schon alle Felle wegschwimmen - äh, alle Züge wegfahren. Und so kommt es dann auch: wir fahren in Halle 5 min nach Abfahrt meines Anschlusszuges ein... - was mir 2 Stunden Wartezeit einbringt.
    (Später erfahre ich, dass es am Tag zuvor in der Gegend ein heftig-heftiges Unwetter gegeben hat, welches auch die Bahnstrecken nicht unbeschädigt gelassen hat...).
    So komme ich in Hann-Münden gegen halb vier an - zwei Stunden später als geplant - und muss mich sputen: am ersten Tag wollte ich unbedingt noch bis Bad Karlshafen.
    Der Weg aus der Stadt heraus ist ein wenig unübersichtlich gekennzeichnet, aber nach einiger Verwirrung finde ich dann doch noch den richtigen Fluss, die richtige Flussseite - und es geht los.
    Es ist sehr schönes Wetter - sonnig, Südwind, was will man mehr?
    So "fliege" ich die ersten 45 km nach Bad K. - ich erlebe nicht so sehr viel von der Landschaft, bin aber dann nach 2,5 h am Ziel.
    Nach einer Runde durch die Stadt eine Pension gesucht - und dann geht es ab:
    erst eine Runde in die Wesertherme, und danach noch in den Kaiser Wilhelm.
    Das ist meiner Meinung nach das beste Haus am Platze...
    Am Platzen bin ich auch, als ich dann abends ins Bett sinke und dem zweiten Tag entgegenschlafe...

  5. Weser-Herbst-Tour #5
    Hardcorebiker
    Geht es hier irgendwann weiter?

  6. Weser-Herbst-Tour #6
    jfk007
    Eigentlich sollte es ja schon...

    Aber irgendwie hatte es im Herbst nicht mehr geklappt - und dann vergaß ich mich
    Doch nun bin ich diese Woche zu Hause - und werde mich mal ans "Reintippseln" machen. Also bis bald...
    Ich werde mich mal auf die Suche nach meiner Karte machen, um meinem Gedächtnis wieder etwas auf die Sprünge zu helfen.

  7. Weser-Herbst-Tour #7
    jfk007
    Dienstag, 13.09.:
    Nachdem die gestrige Etappe doch sehr von einer gewissen Hetze gezeichnet war, nahm ich mir vor, es ab heute deutlich ruhiger angehen zu lassen. (Stimme aus der Zukunft: Dies gelang mir jedoch erst an den nächsten Tagen besser und besser... Irgendwie muss man wohl auch bei der Erholung erst einmal "ankommen".)
    Nach einem ausgiebigen Frühstück bin ich dann also los: erst einmal "rechtsweserisch" aus Bad Karlshafen heraus - um dann kurz vor dem ehemaligen AKW Würgassen wieder die Seite zu wechseln.
    An solch einem alten AKW direkt vorbeizufahren (später sollte ja noch eins kommen), ist schon ein recht eigenartiges Gefühl; dort auf Dauer wohnen hätte ich wohl nicht gewollt
    Dann ging es erst einmal weiter bis Höxter; dort hatte ich mir vorgenommen, das Kloster Corvey zu besichtigen. Die alte Anlage ist schon sehr beeindruckend - wenn Steine Geschichte erzählen...
    Für Liebhaber derartiger "Exponate": dort gibts eine (in meinen Augen) beeindruckende Sammlung alter Reliquien - muss man mal gesehen haben!
    Dann also wieder rauf aufs Rad, und weiter gestrampelt.
    Während auf der ersten Strecke nur durch Hessen geradelt bin, fing jetzt ein lustiges "Länder-wechsel-dich" an: Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen - oftmals wusste ich nicht so wirklich, in welchem Bundesland ich gerade (mal wieder) war.
    Nach Holzminden wollte ich nicht unbedingt rein, aber Hunger bekam ich doch langsam. Was also tun? Ich blieb also links und suchte mir in Stahle eine kleine Pizzeria, wo es was Leckeres zu Essen und zu Trinken gab - und dann ging es weiter.
    In Polle dann mit der Fähre über die Weser gesetzt - ach ja, das war auch sehr auffällig:
    Auf dem Oberlauf der Weser gibt es in fast jedem Dorf eine kleine Fähre. manchmal Gierseilfähren, manchmal Motorfähren. So oft kann man gar nicht über den Fluss setzen, wie es eine Möglichkeit dazu gegeben hätte.
    Nach einem netten Kaffee in Bodenwerder-Rühle war ich schon am frühen Nachmittag in Bodenwerder selber.
    Eigentlich hatte ich die hiesige Jugendherberge für die nächste Übernachtung auserkoren - aber: nachmittags um drei schon die Etappe beenden? nein, dazu hatte ich keine Lust und fuhr weiter. mal sehen, wie weit die Lust reichte...
    Ich kam dann bis Tündern, einem kleinen Ortsteil von Hameln, wo ich Unterkunft fand in einem Museums-Bauernhof.
    Hier war ich fast der einzige Gast. Nach mir kamen noch zwei Radlerinnen - die ich sogar am Ende der Tour in Bremen noch wiedertraf.
    Mit dieser Tour verabschiedete ich mich dann schon fast von dem kleinen "Wildbach" Weser - was ich aber auch erst später feststellte...
    In den nächsten Tagen bzw. Streckenabschnitten veränderte sie dann doch noch einmal deutlich ihren Charakter.

    Somit standen für diesen Tag ca. 85 km auf meinem "Strampel-Konto". (Ca. deshalb, weil mein kleiner Tacho sich in der Nacht vor der Tour verabschiedet hatte (Fahrrad schon auf dem Auto - Tacho nicht abgemacht - Regen - ...). So konnte ich (bis er sich erholt und getrocknet hatte) nur anhand der Karte die gefahrenen km schätzen.

    ---------- Automatische Beitragszusammenführung ----------
    ---------- Beitrag hinzugefügt: 12:19 ----------

    Mittwoch, 14.09.:
    An diesem Morgen nahm der Wind noch mal eine Backe mehr... - und mir schwante nichts Gutes.
    An den ersten beiden Tagen hatte ich immer ganz gut Rückenwind. Doch wenn ich mir die heutige Tagesetappe ("so weit ich komme") auf der Karte anschaue, dann erblicke ich einen wunderschönen Weserbogen nach Westen (Rinteln) und sogar nach Südwesten (Vlotho) - und dies würde ziemlichen Gegenwind bedeuten. ich gebe zu, dass ich da nicht der große Recke bin, der *liebend gern* solch eine Gegenwind-Etappe fährt... Na, mal sehen, und erst einmal rauf aufs Rad.
    Erste Station (nach einem Spaziergang durch die noch fast schlafende Hamelner Altstadt) war dann das Kloster Stift Fischbeck - eine sehr beeindruckende romanische Anlage!
    Ab Hessisch Oldendorf merkte ich den Wind schon sehr viel deutlicher, die Geschwindigkeiten wurden deutlich niedriger, die Pausen häufiger
    So gabs dann in Rinteln erst mal einen kleinen Stadtbummel inkl. Imbiss.
    Weiter dann bis Eisbergen... - und nach einem Blick auf die Karte und einem zweiten auf den Wind merkte ich, dass ich überhaupt nicht über Vlotho und Bad Oeynhausen der Weser folgen wollte - sondern mich schnurstracks nach P.W. (wie es auf vielen Wegweisern abgekürzt war) aufmachen wollte.
    Was mir dadurch entging, weiß ich bis heute nicht. was ich mir einhandelte, schon: einen schööönen, sanften und sich lange hinziehenden Anstieg auf die Ausläufer des Wesergebirges (immer noch mit ärgerndem Wind), dann eine seeehr nette Abfahrt bis direkt zur Wesepforte.
    Da stand ich nun auf der Weserbrücke unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals - und überlegte, wie weiter
    Zumindest bis Minden wollte ich es heute noch schaffen - wenngleich ich mir die Quartiersuche in dieser doch etwas größeren Stadt etwas schwieriger vorstellte.

    Auf jeden Fall staunte ich nicht schlecht, als ich plötzlich beim Weiterfahren wieder Rückenwind spürte - und so "flog" ich fast bis Minden, besuchte die Schiffmühle und das Wasserstraßenkreuz (beides echt beeindruckend!).

    Und dann freute ich mich schon - konnte ich doch so einen meiner Übernachtungsfavoriten direkt ansteuern: das Alte Amtsgericht in Petershagen.
    Eine nette Idee, liebevoll umgesetzt - und so verbrachte ich eine Nacht hinter Gittern!

    Petershagen selber ist ein netter kleiner Flecken - ein netter Abendbummel und ein Besuch beim Griechen beendeten auch den dritten Tag der Reise (bevor ich mich dann selber wegschloss).

    Am heutigen Tag (konkret: ab der Porta Westfalica) wurde die Weser noch mal deutlich anders. sehr viel breiter, kaum noch Fähren. Und auch die Landschaft veränderte sich quasi "auf Schlag": aus dem Mittelgebirge kam ich ins Flachland.

    Gefahrene Kilometer: Geschätzte 70
    Spaßfaktor:
    Geändert von jfk007 (04.01.2012 um 11:46 Uhr)

  8. Weser-Herbst-Tour #8
    jfk007
    Donnerstag, 15.09.:
    Eigentlich wollte ich ab Petershagen rechtsweserisch weiter um dann in Windheim mit der Fähre überzusetzen.
    Jedoch bewahrte mich eine Auskunft vor der Abreise noch davor (die Fähre fährt nur an den Wochenenden, ist also eigentlich 5 Tage die Woche eine "Stehe").
    So ging es auf der Hauptroute des Weserradweges weiter - auf diesem Abschnitt ein alter Bahndamm.
    Weiter ging es - vorbei an Rußland - nach Schlüsselburg, Stolzenau, Estorf nach Nienburg.
    (Zwischen Stolzenau und Landesbergen war übrigens das einzige Stück der Strecke, wo es eine nicht so optimale Umleitungsstrecke - teilweise über holprige Feldwege - gab.

    So langsam kam ich dann auch in die Regionen, in denen der "Weser-"Radweg immer öfter von der Weser weg verlief. Während man am Oberlauf fast durchgängig direkt neben dem Wasser fuhr, ging es hier dann doch mehr und mehr durch Felder, Wiesen, im besten Fall ca. 100 m vom Wasser entfernt - allerdings mit dem Deich zwischen Weser und Weg.

    Nach einer Pause in Nienburg fuhr ich weiter über Drakensburg (alte Gutsanlage), dann linksweserisch weiter über Bücken (schöne Kirche) nach Hoya. Hier sollte meine vierte Tagesetappe enden.
    Allerdings war hier, zum ersten Mal, die Quartiersuche nicht so ganz einfach. Schließlich wurde es dann doch ein Hotel - auch, wenn ich dies eigentlich vermeiden wollte... (aber was macht man nicht alles, wenn man nicht mehr radeln will...).



    Freitag, 16.09.:
    Morgens noch einen Gruß an die Weser geschickt - dann ging es nämlich wieder mal durch die Felder - zunächst zum Wasserkraftwerk Dörverden, wo man die Weser überqueren kann, dann weiter nach Verden, verbunden mit einer ausführlichen Stadtbesichtigung. Am Dom war gerade Markttag - da muss man einfach mal innehalten und genießen!
    Über Thedinghausen näherte ich mich langsam meinem letzten Etappenziel - der Freien und Hansestadt Bremen.
    Und hier zeigte die Weser noch mal ein ganz anderes Gesicht - richtig groß und breit fließt sie hier nun dahin.
    Nachdem ich mir hier eine Unterkunft gesichert hatte, ging es noch auf eine kleine Stadtrundfahrt durch die Altstadt und den Hafenbereich.

    So, und dann die Frage "Wie weit machste noch?" Montag wartete die Arbeit wieder auf mich - also entschied ich mich, nicht noch die letzte Strecke bis Bremerhaven oder Cuxhaven zu fahren, sondern mir am nächsten Tag (Samstag) ein Rückfahrticket zu holen, und dann den Sonntag noch in family zu genießen.
    Also auf zum Bahnhof, Fahrkarte besorgen, und feststellen, dass ich dann noch den Samstag Vormittag für einen weiteren Stadtbummel zur Verfügung habe.

    Samstag, 17.09.:
    Heute ist der letzte Tag meiner Fahrrad-Woche. nach einem netten Frühstück bringe ich erstmal mein Gepäck zum Bahnhof, um dann noch in aller Ruhe einige Kreise durch die Stadt zu drehen.

    Irgendwann geht dann mein Zug... - und ich rolle gen Heimat.
    Insgesamt bin ich ca. 400 km gefahren (ach ja, so ab Nienburg ging der Tacho wieder...).
    Es hat Spaß gemacht, ich habe einfach viele Eindrücke von der Strecke mitgenommen; Eindrücke, die ich so mit anderen "Reisemobilen" sicherlich nicht gemacht hätte.
    Was für mich (als ansonsten recht "planenenden" Menschen) gewöhnungsbedürftig war, war die kurzfristige Übernachtungsplanung, die aber (sicherlich auch aufgrund der Nachsaison) recht gut klappte.
    Erstaunt war ich über die doch (für meine Erwartungen) recht hohen Tagesstrecken - das hätte ich ja nicht von mir gedacht!
    Und alles ging ohne weitere Blessuren (wundgescheuert, Muskelkater, Stürze) oder Pannen ab.

    Fazit. ich würds wieder machen. mal sehen, wohin ich dies Jahr mal fahre...

    Ach ja, ein paar Bilder will ich auch noch einstellen - müsst ihr mal schauen.

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