Eine "ganz normale" Reifenpanne …
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Eines gleich vorweg: weder ist die Welt untergegangen, noch möchte ich aus einer Mücke
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05.02.2011, 13:13
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#1
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
… oder: Die Kunst, sich selbst das Leben schwer zu machen. 
Eines gleich vorweg: weder ist die Welt untergegangen, noch möchte ich aus einer Mücke einen Elefanten machen (auf die Mücken werde ich allerdings noch zu sprechen kommen ...) – ich habe einfach nur das Bedürfnis, von meiner ersten – und unfreiwillig komischen – Reifenpanne im Mai 2010 mit meinem damals neuen Rad zu berichten … nicht mehr und nicht weniger. Viel Spaß beim Lesen!
Es ist Freitagabend, ich bin verhältnismäßig pünktlich von der Arbeit weggekommen und werde endlich mal wieder vor 19:30 Uhr zu Hause sein, die Sonne scheint noch (bzw. wieder, nach der morgendlichen Regenfahrt und einigen Schauern am Nachmittag, die für die Heimfahrt nichts Gutes erahnen ließen), kurzum: ich bin richtig gut drauf, genieße die Fahrt und bin gedanklich bereits bei der Wochenendplanung.
Daher macht es mich im ersten Moment wahrscheinlich auch nicht sofort stutzig, dass ich auf einem der ruppigsten Abschnitte des Radwanderweges durch den Wald plötzlich einen deutlichen Komfortgewinn in den Händen verspüre – kein Vibrieren mehr, das Vorderrad gleitet sanft über Kies und Schotter hinweg als führe ich auf glattem Asphalt. Ob sich wohl so eine dieser tollen Federgabeln anfühlt (Fragen eines überzeugten Starrgabelfahrers…), denke ich? Oder der Big Apple von Schwalbe? Soll ja sehr komfortabel sein, das Ding. Nur die Optik, na ja, zumal er ohnehin nicht in meine Gabel passen … Hey, Moment mal! Wieso zum Teufel gleite ich über Kies und Schotter, als wäre ich auf Big Apples unterwegs? Ich fahre Marathon Plus mit 6 bar! OH NEEEEEIIIN!!!!!
Ein schneller Blick zu Boden bestätigt meine Befürchtung, das sieht gar nicht gut aus. Ob ich so noch bis nach Hause komme? Sind ja nur noch 16km (Fragen eines überzeugten Optimisten) …
30 Sekunden später: Feierabend. Also anhalten, absteigen, fassungslos den Kopf schütteln, kurz fluchen, dann seufzen, auf die Uhr gucken, noch mal seufzen, noch mal fassungslos auf das platte Vorderrad schauen, erneut fluchen und dann resignierend die Gepäckträgertasche öffnen, um Werkzeug und … aua! Was zum … na toll. Mücken! Überall MÜCKEN! Was geht denn hier ab? Nordschweden, ja, dort habe ich einen solchen Angriff schon mal erlebt (und überlebt), aber hier? Und vor allem jetzt? Das hat mir ja gerade noch gefehlt. Nach einigen ungelenken und erfolglosen Versuchen, die Biester von Waden, Armen und Nacken zu vertreiben, was in etwas so ausgesehen haben muss, wie ein betrunkener Norddeutscher, der einem Bayern das Schuhplattlern beibringen will, gebe ich die Hoffnung auf und schiebe das Fahrrad die letzten 600m bis zur Baumgrenze in einem Tempo, das jedem Nordic-Walker das Fürchten lehren würde. Der Erfolg ist eher bescheiden, Mücken interessieren sich nicht besonders für die Baumgrenze, wie ich feststellen muss, aber immerhin sind er hier schon mal etwas weniger, die sich nun genüsslich über mein Blut hermachen dürfen – ist mir mittlerweile irgendwie auch egal. Na denn: Prost, Mädels, stecht zu und haut rein.
Also Gepäckträgertasche auf, Werkzeug und Ersatzschlauch ausgegraben, Tasche abgenommen, das Rad an Gabel und Sattelrohr gepackt und kurzerhand umgedreht. Dass Trinkflaschen aus Plastik übrigens eine wirklich tolle Erfindung sind, wird mir erst so richtig bewusst, als ich nur ein lautes "Plonk" und kein "Klirr" vernehme, nachdem ich das Rad auf
Sattel
und Bar Ends abgestellt habe – denn was habe ich vor dem Umdrehen natürlich vergessen, herauszunehmen? Richtiiig … das war Lächeln Nummer 1.
Geändert von Gast22849 (05.02.2011 um 13:26 Uhr)
Grund: Rechtschreibung ...
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05.02.2011, 13:19
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#2
Natürlich habe ich vorher auch vergessen, den Bremszug auszuhängen, also fummel ich wieder mal etwas ungelenk an den nun schlecht einzusehenden Bremsschenkeln herum und hole mir dabei, wahrscheinlich am Ende des Bremszuges oder am Federelement, einen blutigen Finger. Kurz darauf (und nach erneuten Fluchen) folgt Lächeln Nummer 2, denn so langsam komme ich mir wirklich vor wie ein blutiger Anfänger, im wahrsten Sinne des Wortes. 
In diesem Moment radelt eine Frau mittleren Alters vorbei und bietet mir – wahrscheinlich ob meines blutigen Fingers, dem zugegebenermaßen leichten Chaos auf dem Boden um mich herum aus Tasche, Flasche, Werkzeug, Ersatzschlauch und Teilen des Tascheninhalts wie bspw. Regenklamotten (das Werkzeug liegt natürlich gaaanz unten in der Tasche, braucht man ja eh nie, schon gar nicht, wenn man mit den Marathon Plus unterwegs ist … hüstel), und der sich vermutlich in meinem Blick widerspiegelnden beginnenden Verzweiflung – milde lächelnd ihre Hilfe an, die ich freundlich lächelnd und dankend ablehne. "Danke, habe alles dabei", sage ich. Nur meine Würde nicht, denke ich, die habe ich irgendwo da hinten im Wald verloren … trotzdem war das bereits Lächeln Nummer 3, und so langsam beginne ich sogar, mich über mich selbst zu amüsieren. Also dann, noch einmal tief seufzen, Blut vom Finger lecken (weiß gar nicht, was die Mücken daran so toll finden) und los geht’s. Allmählich möchte ich schließlich auch mal wissen, was denn nun meinen unplattbaren Mantel so geplättet hat …
Also schnell die Muttern gelöst, Felge herausgenommen, Mantel auf einer Seite abgehebelt und den Schlauch raus gepuhlt. Dann wollen wir mal, denke ich, setze die Luftpumpe am Ventil an und während ich noch überlege, ob ich das Loch nun mit der "am-Auge-vorbeiführen"- oder "Schlauch-mit-Wasser-befeuchten"-Methode ausfindig machen sollte, zischt mir die Luft auch schon wieder entgegen – keine Handbreit neben dem Ventil "klafft" ein sichtbares Loch, aus dem die Luft munter entweicht … Auweia, das ist groß.
Aber wie nett, dass es sich immerhin gleich neben dem Ventil breit gemacht hat, das dürfte die Lokalisation des Verursachers im Mantel erheblich erleichtern. Und tatsächlich, an entsprechender Stelle im Mantel steckt ein Splitter, dessen Spitze auf der Innenseite des Mantels deutlich fühlbar ist.
Also raus damit … was sich leichter anhört als es ist, denn die "SmartGuard®-Einlage aus hochelastischem Spezialkautschuk" schütz den Schlauch nicht nur vor "eingefahrenen Fremdkörpern" – er lässt diese auch nur sehr ungerne wieder los! Gleich heute Abend, denke ich, während ich minutenlang versuche, diesen Splitter durch puhlen, hebeln, Mantel biegen und quetschen herauszubekommen, gleich heute Abend füge ich meinem Bordwerkzeug eine kleine Zange hinzu. Grmph.
Als ich endlich als Sieger aus dem Kampf Mann gegen Mantel hervorgehe, staune ich nicht schlecht: ein 8mm langer Steinsplitter (habe ihn als "Andenken" mitgenommen und zu Hause vermessen), ähnlich einem Mini-Mini-Mini-Faustkeil, hatte sich da mit seiner messerscharfen, klingenähnlichen Spitze – die mir scharf genug erscheint, um sich mit etwas Vehemenz die Pulsadern aufschlitzen zu können – in den Mantel gebohrt und den Schlauch perforiert. Dass ich übrigens für solche unplanmäßigen Pannenarbeiten in meiner Werkzeugtasche auch immer ein paar Latexhandschuhe dabei habe, damit ich anschließend nicht aussehe, als hätte ich gerade munter im Dreck gewühlt oder mir zwei Wochen lang nicht die Hände gewaschen, fällt mir leider erst bei der Siegeszigarette wieder ein, während der ich meine durch den Kampf mit dem Mantel fast schwarzen Finger betrachte, die aussehen, als hätte ich gerade munter im Dreck gewühlt oder mir zwei Wochen lang nicht die Hände … aber das nur so am Rande. Dieser Erkenntnis folgte, ebenfalls nur so am Rande bemerkt, Lächeln Nummer 4.
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05.02.2011, 13:24
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#3
Seit der ersten Überlegung, ob sich ein Big Apple wohl so komfortabel anfühlt wie mein fast platter Marathon und dem Lächeln Nummer 4 waren bereits mindestens 15min vergangen, die meisten Alltagsradler (der ich mittlerweile eigentlich auch bin…) wären nach dieser Zeitspanne schon lange wieder mit neuem Schlauch unterwegs. Aber das Gröbste war ja überstanden, neuen Schlauch einlegen und Mantel drüber ist ein Kinderspiel … dachte ich zumindest, in Erinnerung an die Neubestückung meines reanimierten Cityrades vor zwei Jahren mit Marathon Plus-Mänteln ...
Also Schlauch unter den Mantel fummeln, etwas aufpumpen, nachjustieren und fix den Mantel über den Felgenrand … äh, hallo? FIX den Mantel über … verdammt, was ist der denn so widerspenstig! Ging damals doch so einfach! Zufall? Oder macht sich der Unterschied zwischen den damaligen 47-622 und den jetzigen 40-622 beim Montieren so bemerkbar? Wie dem auch sei, nach weiteren 5 bis 10 Minuten ist es vollbracht, der Mantel sitzt ringsum in der Felge, also noch etwas walken und pumpen, sieht gut aus, fertig.
Felge in die Gabel, festschrauben, noch mal per Hand drehen lassen und … juhu – zwei lustige Höhenschläge im Mantel, das wäre sicher wenig spaßig beim Fahren. Also Luft wieder raus, durchwalken, Luft wieder rein, drehen … Mist. Luft wieder raus, durchwalken, Luft wieder rein und so weiter und so fort. Nach weiteren 5 Minuten ist einer der beiden Höhenschläge beseitigt, der andere nicht ganz, aber erstmal ausreichend für die Heimfahrt, da muss ich am Wochenende noch mal ran. Muttern festziehen, Fahrrad umdrehen, Bremszug einhängen, Sachen zusammenpacken, Tasche an den Gepäckträger hängen, Flasche in den Halter stecken – und beim Anblick meines wieder fahrbereiten Fahrrades macht sich endlich das langersehnte Lächeln Nummer 5 auf meinen Lippen breit. 
Und selbst der Blick auf die Uhr und das Entsetzen, für eine "einfache" Reifenpanne stolze 35 Minuten gebraucht zu haben, kann mein Glücksgefühl nun nicht mehr trüben, also rauf auf den
Sattel
und ab nach Hause. Während der Heimfahrt lasse ich die ganze Sache noch mal Revue passieren und muss mehrmals über mich selbst schmunzeln – wie gerne hätte ich die Gedanken der Radlerin gelesen, als sie mich da so stehen sah und mir ihre Hilfe anbot …
Und ich realisiere erst jetzt, welches Glück ich doch eigentlich hatte – diese Panne mitsamt aller Komplikationen hätte mich auch am Morgen im Regen auf dem Weg zur Arbeit unter Zeitdruck treffen können – dann wäre es wohl auch in der Retrospektive nicht mehr ganz so amüsant gewesen … 
Eines noch hinterher: ich blieb den Marathon Plus-Mänteln auch weiterhin treu, vielleicht – die Überlegung hatte ich allerdings bereits vor dieser Panne (und habe es seitdem noch immer nicht umgesetzt) – wechsle ich lediglich nochmal auf die breiteren Mäntel meines alten Rades, und daher möchte ich mit Nachdruck darauf hinweisen, dass dieser Erlebnisbericht bitte keinesfalls als ein weiterer „Nie-wieder-Schwalbe“-Thread zu verstehen ist! 
Sänk ju for rieding sis! Und Euch allen ein pannenfreies Wochenende!
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05.02.2011, 13:58
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#4

Zitat von
Hygge
Sänk ju for rieding sis! Und Euch allen ein pannenfreies Wochenende!
Sänk ju for se neis Stori.
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05.02.2011, 14:20
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#5

Zitat von
joeycr
Sänk ju for se neis Stori.
Danke, Jochen, habe Deine Reiseberichte (als nicht registrierter Mitleser des Forums) auch immer sehr gerne gelesen! Ich hoffe, Du gehst auch dieses Jahr wieder auf Tour und berichtest davon ... ???
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05.02.2011, 14:37
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#6

Zitat von
Hygge
...
Sänk ju for rieding sis!
Sänks älott bäck for wreiting daun sis fannie storrie !!!
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05.02.2011, 14:50
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#7

Zitat von
marcfw

Zitat von
Hygge
...
Sänk ju for rieding sis!
Sänks älott bäck for wreiting daun sis fannie storrie !!!
Ju'a wellkamm!
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05.02.2011, 14:52
Eine "ganz normale" Reifenpanne …
#8
What? You do not know a Gulasch-canon? Well it is a big pot… with Gulasch… the back of the horse…
mit Erbsen, Bohnen, Mais… erbses, bones, mäis… and Knorpel-pieces… a kind of braune Pampe we say…
Alfons Derra Alien Leader
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