So, Ihr könnt ja sagen was Ihr wollt, die beste Lenkerform ist für mich nach wie vor ein (vielleicht geringfügig gekröpfter) Besenstiel von ca. 50cm, mit Rapidfires, Zweifingerbremshebeln und schönen Griffen wie z.B. Ergons dran.
Alles in Reichweite, beste Kontrolle, bei niedriger und hoher Geschwindigkeit, viel Verkehr, etc..
So ungefähr für 15 Minuten. Dann gehts los, die Arme werden steif, die Handgelenke meckern. Griffposition ändern? Geht nicht. Für die schnelle Passage mal in den Wind ducken? Uuuuunbequem...
Deshalb wurden dann so Sachen wie Rennlenker erfunden. Griffpositionen mit quer oder längsgedrehtem Handgelenk, weiter vor, zurück, tiefe Position,(Ich weiger mich nach wie vor brezelförmiges Alugeweih als Lenker zu akzeptieren).
Keine einzige so bequem wie der Besenstiel, aber durch regelmässiges Wechseln stundenlang zu fahren.
Genug der Einleitung, was bietet der Moustache? Ein wenig "Best of both worlds". Der Lenker ist vom Vorbau aus erst nach vorn, dann im Bogen bis 90Grad nach hinten geschwungen. Zusätzlich leicht senkrecht gekröpft, so dass die nach hinten auslaufenden Enden leicht nach unten laufen.
Gut 50cm breit. Montagedurchmesser im Vorbau 25,4 (MTB-Standard), im Griffbereich 24mm (Rennradstandard). Der Durchmesser verbietet normale MTB-Schalt oder Bremsgriffe, die Lenkerform ist aber auch auf Rennradbremsgriffe ausgelegt. (Was das für die Auswahl der Bremsen heißt ist ein anderes Thema)
Der Lenker ist top verarbeitet, sieht echt edel aus (schade, daß das fast alles unter dem Lenkerband verschwindet), das Preisleistungsverhältnis ist naja, einerseits (sooo viel Geld für 'n büschen Alu) andererseits (wat geht für andere Lenker übern Tisch? Es gibt nur ein Konkurrenzprodukt, den OnOne Mungo, der köst das gleiche).
Nicht ganz ohne ist das Setup im ganzen, im Vergleich zu anderen Lenkern:
-Vorbau: muss 3-5cm kürzer sein, als beim Besenstiel. Der Bogen geht bis 6cm vor die Montageebene, selbst davor kann noch auf den Bremsen gegriffen werden.
-Höhe: der Griffbereich ist 1-3cm unter der Vorbauklemmung, auch das sollte man berücksichtigen.
-Bremsschaltgriffe: Puristen nehmen Aerobremsgriffe und Rahmen oder Lenkerendschalthebel, das ist mir zu weit weg, man könnte Rahmenschalthebel am Vorbau befestigen, ich hab mir Modolo-Morphos STIs besorgt, STIs von Shimano, Campa o.ä. müssten auch gehen.
-Da der Lenker mit Lenkerband bewickelt wird, sollte man sich vorher die Einstellung genau überlegen und probefahren (unbewickelt mit dicken Handschuhen), nach dem Umwickeln geht halt nichts mehr.

Ich habe den Lenker so eingesetzt, daß die vorderen Bögen auf gleicher Höhe sind, wie die Vorbauklemmung, die Enden laufen also ca. 20Grad abwärts. Die Bremsgriffe weisen mit dem Griffkörper so ca. 40 Grad nach innen und sind waagerecht montiert (Hebel auf einer Höhe mit dem Lenkerrohr). Die Modolos arbeiten mit zwei Schalthebeln, so daß sich entfernt ähnlich wie bei Rapidfires mit dem Daumen dicht unter dem Lenker rauf (entspannen), etwas tiefer runterschalten (Zug spannen) lässt. Nicht mit Zeigefinger, man muss für den zweiten Click etwas "unter dem Lenker durch" langen, nicht von Colani genau dafür designt, geht aber. Schwarzes Lenkerband grosszügig mit kurzer Steigung (dicker Lage) und fertig.

Was bringt der Lenker nun?
-Fast so viel Vielseitigkeit wie ein Rennlenker
-die o.b. "Besenstielposition" (Hände voll vorn in die Bögen) fast so gut wie ein Besenstiel.

Gegenüber dem Rennlenker fehlt natürlich die Tiefe der Unterlenkerposition, der Griff an den Lenkerenden ist aber ähnlich entspannend für die Handgelenke (nur deutlich breiter), toll wenn viel Kraft aufs Rad soll. Das Greifen auf den Bremsgriffen lässt weiter nach vorne gehen, für Anstiege und entspannt flottes Radeln in der Ebene optimal. Enger als auf dem Rennlenker, aber man kann sich auch hier schön tief legen.
Im Bogen sind stufenlos von innen nach aussen gedrehte Positionen möglich, sicher wie beim Besenstiel, trotzdem toll, was 15Grad nach innen/aussen drehen für eine andere Belastung und damit Abwechslung bringen.
Wichtig: Alles Umgreifen ist wesentlich näher und damit sicherer, als auf dem Rennlenker, auf allen positionen bis auf die ganz aussen kommt man an die Bremsen (beim Griff auf den Bremsen ähnlich wie am Rennlenker auf den Bremsen nicht optimal, aber schon)
Der Lenker ist eher auf eine sportliche Haltung (vorgebeugt) ausgelegt, für aufrechtes Sitzen gibt es ähnliches aber geeigneter und günstiger.

Ich kann verstehen, daß es Leute gibt, die mit dem Teil nie warm werden (siehe oben), und daß es Leute gibt, die nie wieder was anderes fahren wollen.
Ich würde ihn jedem empfehlen, der im Bereich sportlich/Fitness bis Trecking einen Lenker sucht, der ihm mehr Abwechslung bietet (und damit längere Fahrten ermöglicht) als ein gerader Lenker, dem aber ein Rennlenker unangenehm ist, weil der Griff auf den Bremsen sich unsicher anfühlt, die tiefe Position eh nicht benutzt wird, der Oberrohrgriff zu eng für optimale Kontrolle ist, etc.. Sollte also für die Gattung "Fitnessbike" eigentlich Standard sein, wenn man denn Fitness über mehr als eine halbe Stunde erradelt.

Da er bei singlespeedshop.de mal wieder ausverkauft ist, gibts gerade mal wieder kein Foto, Wilbert hat aber eines in seinem Alltagsradprojekt (da stinkt der Lenker nur bös gegen den Edelstahlrahmen ab, welcher täte das nicht), die werden bei Gelegenheit nachgereicht.

P.S.: Sollte ich mir noch ein Eisdielen- Singlespeed bauen, so wie X7-Peters GT-farbenes, da kommt natürlich ein Besenstiel dran. Die Eisdiele ist 800m entfernt;-)